Das Tanz-Triptychon vereint drei unterschiedliche, aber miteinander im Dialog stehende choreografische Kompositionen: die Zusammenarbeit des Schweizer Choreografen Marcel Leemann und seiner Tänzer „Decrescendo“, „Pasiskolinti peizažai“ der aus Klaipėda stammenden Künstlerin Agnija Šeiko sowie das Werk „Mammatus“ der international anerkannten niederländischen Choreografin Annabelle Lopez Ochoa. Jeder Teil reflektiert auf seine eigene Weise die Beziehung des Menschen zu seiner Umgebung, zur Gemeinschaft und zur Natur und lädt den Zuschauer ein, die sich ständig wandelnden Zustände von Bewegung, Struktur und Emotion zu erleben.
TEIL I – „Decrescendo“ (Choreograf Marcel Leemann, Schweiz)
Die Tanzaufführung „Decrescendo“ untersucht das Phänomen des Gruppenverhaltens unter Einbeziehung traditioneller und ritueller Tänze sowie folkloristischer Formationen. Das Stück offenbart die Spannung zwischen Kollektiv und Individuum, in der individuelle Ausdrucksformen festgefahrene Strukturen aufbrechen und Momente des Widerstands schaffen. Gruppenverhalten wird hier als menschlicher und politisch motivierter Prozess verstanden, während Tradition als Quelle der Kommunikation, der Sicherheit und der Gruppenzugehörigkeit reflektiert wird, auf die immer wieder zurückgegriffen wird.
Marcel Leemann – Choreograf, Tänzer, Regisseur und Pädagoge, der an verschiedenen europäischen Theatern gearbeitet und das „Marcel Leemann Physical Dance Theater“ gegründet hat, mit dem er international auf Tournee war. Sein Schaffen verbindet Prinzipien des physischen Theaters, des zeitgenössischen Tanzes und der Pädagogik.
Die Aufführung wird mit Tonbandbegleitung dargeboten.
TEIL II – „Geliehene Landschaften“ (Choreografie: Agnija Šeiko, Litauen)
Die auf den persönlichen Geschichten der Tänzer basierende Aufführung „Geliehene Landschaften“ schafft ein lebendiges, sich ständig wandelndes Gewebe des szenischen Geschehens. Im Mittelpunkt des Werks steht das japanische „Shakkei“-Prinzip, bei dem die äußere Landschaft in die Komposition einbezogen wird. Diese Idee verwandelt sich auf der Bühne in eine lebendige Landschaft, in der jeder Darsteller Teil des gemeinsamen Raums wird.
Die Tänzer, die sich auf individuellen Bewegungsbahnen fortbewegen, knüpfen und lösen Verbindungen, spielen mit den Grenzen zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit und lassen Bilder entstehen und wieder verschwinden. Die Aufführung lädt dazu ein, den ständigen Wandel als Quelle der Schönheit zu erleben – als meditativen, unvorhersehbaren Fluss.
Agnija Šeiko – eine der herausragendsten Schöpferinnen des zeitgenössischen Tanzes in Litauen, Leiterin des Šeiko-Tanztheaters, hat mehr als 30 Stücke geschaffen, die sich durch Interdisziplinarität und sensible gesellschaftliche Themen auszeichnen.
Die Aufführung wird mit Tonuntermalung präsentiert.
TEIL III – „Mammatus“ (Choreografie: Annabelle Lopez Ochoa, Niederlande)
Die Tanzaufführung „Mammatus“ ist nach den beeindruckenden Wolkenformationen benannt – es handelt sich um skulpturartige Formen, die nach einem Gewitter am Himmel hängen. Unter diesem dramatischen „Himmel“ erscheinen auf der Bühne Tänzer, die an einen Schwarm schwarzer Vögel erinnern und sich im intensiven Rhythmus von Michael Gordons Werk „Weather One“ bewegen.
Die Aufführung erforscht das fragile Gleichgewicht zwischen Ordnung und Chaos, offenbart die Kraft der Natur und instinktive Bewegung, als würden die Körper vom Wind getragen. Es ist eine dynamische, visuell beeindruckende Choreografie, in der sich die Elemente der Natur, Klang und kollektive Bewegung vereinen.
Dieses Triptychon lädt den Zuschauer auf eine Reise durch drei unterschiedliche Ästhetiken und Ideen ein – von der Beziehung zwischen sozialen Strukturen und dem Individuum bis hin zur persönlichen Landschaft und kraftvollen Naturmetaphern, die sich durch die Sprache des zeitgenössischen Tanzes entfalten.